Freitag, Dezember 30, 2005

Recht auf Dummheit

Ab dem neuen Jahr müssen sich Muslime in Baden-Württemberg, die die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen möchten, einem Gesinnungstest unterziehen. Wohl bemerkt nur Muslime. Damit solle eine verfassungsfeindliche Gesinnung enttarnt werden. Eine kleine Fragenauswahl:

„In Deutschland gehört der Sport- und Schwimmunterricht zum normalen Schulunterricht. Würden Sie Ihre Tochter daran teilnehmen lassen?“

„Wie stehen Sie zu der Aussage, dass die Frau ihrem Ehemann gehorchen soll und dass dieser sie schlagen darf, wenn sie ihm nicht gehorsam ist?“

Die bisherige Einbürgerungspraxis sah folgendermaßen aus:
Es wird ein Mindestwissen über das Grundgesetz geprüft („Sind Männer und Frauen nach der Verfassung gleichberechtigt? „a) Ja b) Nein c) Nur, wenn sie deutsche Staatsbürger sind“), ein Bekenntnis zur Verfassung wird unterzeichnet und beim Verfassungsschutz wird geprüft, ob etwas gegen eine Einbürgerung sprechen könnte.

Doch das war den Baden-Württembergern nicht genug. Nun soll die Gesinnung auch durch einen Fragetest geprüft werden und zwar nur bei einbürgerungswilligen Muslimen. Dem Innenministerium scheint auch bewusst zu sein, dass Muslime, oder schlimmer noch Islamisten bei solch einem Text lügen könnten. Jedoch greift der Staat hier hart durch. Wer lügt, kann die erworbene deutsche Staatsbürgerschaft auch nach Jahren verlieren. Das Innenministerium wird immer herausfinden, wie die Gesinnung seiner Bürger ist.

Wer sich die Fragen anschaut weiß, dass es welche sind, die auch etwas mit Integrationswillen zu tun haben. Doch wird durch diesen Test die Integration keinesfalls geschaffen, denn sie wird ja gerade denen gestellt, die Deutsche werden wollen und nicht jenen, die in ihren Ghettos leben oder diese schaffen.

Zudem muss man fragen, ob es nicht ein Recht auf Dummheit gibt? Dieses ist nicht nur auf muslimische Einbürgerungswillige beschränkt. Dieses könnte man auch bei zukünftigen Deutschen feststellen, die aus anderen patriarchalischen, chauvinistischen, machohaften Gesellschaften kommen. Auch Christen können Machos sein und Chauvinisten findet man auch unter Deutschen.

Weiterhin muss unterstrichen werden, dass es sich hier um die Gesinnung handelt. Der Staat bestraft jeden, egal ob Deutscher, Eingebürgerter oder Ausländer, wenn er etwas verfassungs- oder rechtswidriges begehen würde. Das ist auch seine Pflicht. Aber die Gesinnung zum Maßstab für die Staatbürgerschaft machen? Besteht denn nicht ein Recht auf Dummheit für Deutsche, Ausländer, Christen und Muslime? Haben denn nicht muslimische Einbürgerungswillige auch ein Recht darauf, dumm zu sein? Denn dieses Recht gestehen wir schon seit jeher (einigen) unseren Volksvertretern zu!

Samstag, Dezember 24, 2005

X-Mas ist dem Weihnachtsfest sein Tod

Merry X-Mas ...

… mit diesem Betreff gekennzeichnete eMails überschwemmen meinen virtuellen Briefkasten, mit einem freundlichem Merry Christmas begrüßen den gebeutelten Fernsehzuschauer deutsche Prominente eines Senders, dessen Motto „We love to entertain you“ lautet, Merry Christmas ist einfach allgegenwärtig – in der Stadt, Werbung und in Mails von Freunden und Bekannten.

Doch was ist aus dem guten deutschen Weihnachten geworden? Untergegangen in der (Pseudo-)Anglizismusflut. Weihnachten ist out – X-Mas ist „in“. Wer will denn auch dauerlaufen, wenn er joggen kann. Wer will schon mit einem mobilen Etwas telefonieren, wenn ein Handy doch so schön in einer jeden Hand passt. Wieso unterstützen, wenn man supporten kann. Wieso zum Falconeersstammtisch gehen, wenn man sich doch beim Fan-Meeting sehen kann.

Die Kommerzialisierung der Geburtstagsfeier Jesu Christi dauert nun schon lange – ich denke die übergroße Mehrheit weiß nicht, wie deutsche traditionelle Weihnachten vor sagen wir einmal 150 Jahren gefeiert worden ist. Aber wieso müssen wir denn nun feiern, wie die Amis?
Wieso müssen wir deren Feste, wie dieses verfluchte Halloween begehen? Nur weil wir es aus den US-Serien und Filmen, die wir so in unserer Jugend gesehen haben, kennen?

Okay, - Namen ändern sich. Aus Raiders wurde Twix, sonst änderte sich nix. Falke durchlebte einige Metamorphosen:
Falke --> Bulle --> Falke --> Korb …
Aber unser Weihnachten darf kein cooles X-Mas werden! Weinachten darf nicht sterben, genauso wenig, wie mein geliebter Genitiv!
Schämen wir uns derart jemandem frohe Weihnachten zu sagen, dass wir’s auf Englisch machen müssen? Kultur ändert sich, aber kulturelle Ursprünge und Wurzeln sollten bewahrt werden, damit wir wissen, woher wir kommen, damit wir uns selbst verstehen. Natürlich sind andere Kulturen interessant – deswegen befasse ich mich mit zig Sprachen (darunter viele exotische) und Kulturen. Aber für uns sollte unser kultureller Ursprung Maßstab sein, und nicht der Ursprung eines anderen. Eben die Vielfalt macht doch alles schön!

Freitag, Dezember 23, 2005

Eine Woche...

... ist nun ohne neuen Post vergangen.

Trotzdem hat sich einiges in dieser Woche getan, wie z.B. das Phänomen, dass ich innerhalb dieser Woche meine Meinung zu Homicide zwei Mal geändert habe ;)

Nach dem Albaspiel, bei dem ich endlich wieder den Falkegeist in der Mannschaft gespürt habe, gefielen mir sehr viele Spieler ganz gut. Vor dem Spiel dachte ich, dass wir v.a. auf den Positionen 4,5 Probleme haben werden. Doch unsere Jungs überzeugten mich und hoffentlich jeden, der dieses Spiel gesehen hat. Allerdings war ich entsetzt über die Position 1. Ohne den Chef Tenter sieht das einfach nicht gut aus. (Ach, wieso darf man keine Menschen klonen???)
Homicide, von mir noch gelobt, weil er mir im Training gefallen hat, hat mich gegen Berlin enttäuscht. Heiko war allerdings keine Alternative - Houston, wir haben ein Problem!

Doch was geschah gestern? Aus den Zeitungen konnte der Fan entnehmen, dass nicht nur wir, sondern auch Harli nicht zufrieden mit Homicides Leistung war und er wohl nur noch gegen den Abstiegskandidaten Leverkusen mitspielen werde. Und nach der überzeugenden Leistung gegen Alba, durften die fränkischen Falken am Donnerstag zu den Rheinländern fahren, um eines der wichtigsten Spiele der Hinrunde zu bestreiten. Und wie immer in dieser Saison, vergas uns das Verletzungs- und Erkältungspech auch diesmal nicht. Dazu immer noch eine kopflose Mannschaft... Das sind die besten Voraussetzungen für ein wichtiges Spiel!

Aber was geschah in Leverkusen? Leverkusen führte zwar beständig und konnte jedes bis aufs letzte Viertel für sich entscheiden, aber die Falken ließen sie nicht davon ziehen! Soto triftt jenseits der 3er Marke so, wie er und wir es lieben, und Corey spielte _das Spiel_ für Falke. Auch Heiko endlich mit einer guten 3er Quote. Den Gegner nicht davonlaufen lassen und dann in der letzten Sekunden zupacken und der tödliche Biss durch unseren "Tötschläger" Williams. Sieg mit 3 Vorsprung, trotz Erkältungswelle!

Das ist Falkegeist. Niemals aufgeben, immer kämpfen und gewinnen, auch wenns keiner erwartet! Oder wie es Rudy Tomjanovich einmal schön forumliert hat:
"Never underestimate the heart of a champion."
Also hab ich meine Meinung zu Homicide wieder revidieren dürfen und freute mich darauf ihn gegen Karlsruhe wieder zu sehen. Vielleicht sieht dann auch das Heimpublikum einmal das ganze Potential des Streetballzocker. Doch was mussten meine müden Augen heute morgen lesen? Aus familiären Gründen ist Coery Williams auf den Weg in die USA... .
Schade! Ich hoffe es kommt bald guter Ersatz und Entlastung Tenters.
Was ist nach dem Spiel passiert? Nichabstiegsplatz - ah, wie fühlt sich diese Momentaufnahme gut an. Blamage für Leverkusen schrieben die Leutchen vom ZDF-Videotext - Blamabel sind höchstens die Fehler, die dem Schreiberling da so passiert sind - hier der Screenshot:

Donnerstag, Dezember 15, 2005

Black is beautiful

Die Arena wird schwarz!

Übermorgen sind die Spitzenreiter von der Spree, die Albanesen, zu Gast und mit ihnen besucht auch Premiere zum ersten Mal die Falken!

Jeder, der sagt, dass das kein besonderer Tag ist, hat entweder von Basketball keine Ahnung, sagt nicht ganz die Wahrheit oder ist vielleicht einfach kein Träumer. Genau so, wie man sich beim Aufstieg auf die BBL gefreut hat, freute man sich damals wohl auch, dass Alba nun auch nach Nürnberg reisen und gegen Falke spielen muss.
Deswegen haben sich die Falconeers, etwas besonderes ausgedacht!

Alle Zuschauer kommen in schwarz!

Wieso? Schwarz ist die Auswärtsfarbe der Falken, schwarz waren und sind die Fan-shirts, schwarz ist die Farbe der Falconeers. Aus anderen Städten wurde wiederholt erwähnt, dass es imposant aussieht, wenn eine Gruppe in schwarz ihre Mannschaft anfeuert. Wenn eine Gruppe in schwarz wie eine Wand aussieht, wie sieht es dann aus, wenn die ganze Halle schwarz ist?

Zeigen wir doch allen, dass wir hinter unserer Mannschaft stehen, egal wie schlimm es aussieht und egal gegen wenn wir spielen, denn etz wird’s zappenduster für Berlin. ;-)

Nun zum Spiel an sich. Allen voran gefällt mir der Vorbericht aus Berlin ganz gut. Keine Form der Überheblichkeit, Häme etc. Es zeugt von Respekt uns gegenüber, auch wenn die Rollen klar verteilt sind. Das hat mir ganz gut gefallen:

http://alba-berlin.sport1.de/coremedia/generator/www.albaberlin.de/News/0506/Spielberichte/Meldungen/VorberichtNuernberg-ALBA.html


Auf http://www.schoenen-dunk.de/ wurde nach der ersten Niederlage Albas gegen den Aufsteiger aus dem hohen Norden, Bremerhaven, diskutiert, inwieweit sich Alba in einer Krise befände. Gemeint ist dabei nicht nur die erste BBL-Niederlage in dieser Saison, sondern das schlechte Abschneiden im ULEB-Cup und die zuletzt nicht mehr so souverän eingefahrenen Siege in der BBL. Zu dieser Verunsicherung kommt die Verletzung des Kapitäns Matej Mamics dazu. Albas Europaambitionen sind hoch und werden bei weitem nicht erfüllt. Wenn man sich die Ergebnisse der anderen deutschen ULEB-Cup-Teilnehmer anschaut spricht das nicht unbedingt für Basketball in Deutschland. Die 1. Liga des Vizeeuropameister gehört europaweit wohl doch noch nicht zur Spitze.

Ich denke, man kann hier nicht von einer Krise Albas sprechen, allerdings sind die Berliner zur Zeit eben nicht unschlagbar!

Doch was ist mit Falke?

Schwer einzuschätzen, wie die Spieler auf die letzten Niederlagen, aber auch auf die Neuverpflichtung von Homicide reagieren. Er wird wohl das Niveau eines jeden Spieler durch seine Spielübersicht und seine Pässe heben - das erhoffe ich mir von ihm. Also weniger ein Punktejäger, als vielmehr, so ein richtig guter Playmaker.

Die Jungs müssen einfach mit allem, was sie haben, mit allem Stolz in die Partie gehen, um zu zeigen, dass man nur kurzzeitig die rote Laterne mit sich trägt. Es gilt Mut aus dieser mehr als schweren Partie zu schöpfen, egal wie das Ergebnis auch ausfällt, um befreit und mental gestärkt gegen die letzten beiden Gegner der Hinrunde, und es handelt sich hier mit Leverkusen und Karlsruhe, auch um Abstiegskandidaten, anzutreten!

Die Rollen sind klar verteilt, was nicht heißt, dass man nicht fighten soll!

Also, die Arena wird schwarz und für Berlin wird's zappenduster! ;-)

Dienstag, Dezember 13, 2005

Dominoeffekt II

Vor kurzem beschrieb ich die möglichen Konsequenzen einer Unabhängigkeit des Kosovos und somit Schaffung eines Präzedenzfalles in Europas Südosten. Trotz aller gebetsmühlen artig wiederholten Beteureungen einiger Think Tanks, dass es keinen Dominoeffekt geben würde, will ich hier ein schönes Beispiel bringen, wie die momentanen Verhandlungen um den Endstatus des Kosovo die Außenpolitiken einiger Staaten verändern.

Bei dem Beispiel handelt es sich vor allem um Rumänien und die (ehemalige Sowjet-) Republik Moldau. Rumäniens Präsident Traian Basescu hat nun zum dritten Mal in kurzer Zeit seine Vorschläge zur Lösung des Kosovoproblems vorgetragen. Erst In Paris bei seinem Treffen mit Jacques Chirac, danach in Bukarest beim Empfang des serbisch-montenegrinischen Präsidenten Svetozar Marovic und neulich bei einem Treffen mit seinem moldauischen Kollegen Vladimir Voronin.

Seine Vorschläge:
Eine substantielle Autonomie des Kosovo innerhalb der Grenzen Serbiens.
Diese Autonomie beinhaltet das Recht auf eine eigene Währung und Ordnungskräfte.
Die Bereiche Außen- und Sicherheitspolitik fallen in den Zuständigkeitsbereich Belgrads.
Die Verwaltung dieser autonomen Provinz sollte ein Gesandter der UNO oder EU übernehmen, der die Provinz auch bei internationalen Institutionen vertritt.


Dieses Engagement ist auf ersten Blick erstaunlich, da Rumänien zwar eine Grenze mit Serbien teilt, aber sowohl weit entfernt vom Kosovo, als auch von albanischen Siedlungsgebieten ist. Beim zweiten Blick, vor allem wenn man auf den letzten von mir vorgestellten Gesprächspartner Basescus, auf Vladimir Voronin blickt, wird sichtbarer, wieso das Kosovo einen neuen Stellenwert in der rumänischen Außenpolitik erhält.

Bei Rumänien und der Republik Moldau handelt es sich um Schwesterrepubliken, die vielleicht eines Tages vereint sein werden und somit sind die Beziehungen dieser zwei Staaten von besonderer Natur. Die kleinere und jüngere Republik Moldau hat allerdings in seinem Osten ein Problem mit den Sezessionsbemühungen Transnistriens, wo russische Streitkräfte stationiert sind. Ein ähnliches Problem, wie im Kosovo.

Vergangenen Samstag nun, nach dem Treffen mit dem moldauischen Präsidenten Vladimir Voronin, sagte Traian Basescu, dass die Republik Moldau die volle Souveränität über sein ganzes Territorium ausüben solle und er diesbezüglich auch mit der US-Außenministerin Condoleezza Rice gesprochen habe. Dabei hätte er auch das Kosovo aufgeführt, um zu verdeutlichen, dass hier ein Präzendenzfall geschaffen werde und dass das Kosovo und Transnistrien nur dieselbe Lösung haben könnten. Eben die oben aufgeführten Punkte...

Ein weiterer Aspekt in der rumänischen Außenpolitik sind dann auch die transsilvanischen Ungarn, die ebenfalls, nach einer Unabhängigkeit des Kosovo, eine Abspaltung ihres Siedlungsgebietes fordern könnten.

Übrigens trennen ca 800 km Luftlinie die Haupstadt Transnistriens, Tiraspol von der Hauptstadt des Kosovo, Pristina.