Donnerstag, Februar 02, 2006

Funktionäre und Basketball

Die Schmach war unvorstellbar.
Als achtmaliger Europameister und fünffacher Weltmeister schafften es die Serben im eigenen Land nicht unter die besten acht europäischen Mannschaften zu gelangen. Zeljko Obradovic musste endlich als Coach gehen. Denn die Bilanz nach Svetislav Pesics Abgang sah nicht gut aus. 2003 - Blamage bei der EM in Schweden, dann übernahm der serbische Dettman, Zeljko Obradovic, das Ruder. Es folgten die noch größere Blamage bei der Olympiade in Griechenland 2004 und die Schmach von Novi Sad (Die Mannschaft durfte nicht einmal in der neuen Belgrader Arena spielen.) 2005. Der serbische Detti übernahm die Verantwortung und ging.

Die FIBA erbarmte sich der Serben und neben Puerto Rico oder Südkorea bekam auch Serbien eine Wildcard für die WM 2006 in Japan. Ist irgendwie sowohl für die Veranstaltung, als auch die Mannschaft peinlich, wenn der amtierende Weltmeister nicht seinen Titel verteidigen kann, weil er gar nicht teilnimmt an der WM.

Und als ob der Basketballbund Serbien-Montenegros auf mich hörte und erkannte, dass, wenn man drei Weltmeisterschaften hintereinander und den Titel verteidigen möchte, man einen erfahrenen und guten Coach braucht. Und man erinnerte sich wieder an Svetislav Pesic.

Die Bilanz Pesics sieht gut aus:
der einzige Coach, der mit zwei verschiedenen Nationalmannschaften Europameister (1993 mit Deutschland, 2001 mit Serbien) geworden ist,
einmal Weltmeister (2002 mit Serbien),
4 deutsche Meisterschaften mit Alba Berlin (1997-2000),
1 Mal Korac-Kup mit Alba (1995),
und 2003 mit dem FC Barcelona den spanischen Pokal, die spanische Meisterschaft und die Europaliga gewann.

Momentan trainiert er bei Lottomatica Rom und zeigte die Bereitschaft den Trainerposten in Serbien wieder zu übernehmen. Es wäre wieder eine Herausforderung für diesen Ausnahmecoach. Soweit so gut, alles sieht danach aus, als ob er nur noch unterschreiben müsste und nu? Er sagt auf einmal ab – per Telefon. Ein neuer Coach ist auch da, mit Dragan Sakota vom Roten Stern Belgrad. Hm, ein typischer Balkancoach: erst in Kroatien tätig, dann lange in Griechenland (auch unter dem serbischen Detti) und nun bei Roter Stern. 2002 ist er griechischer Meister mit AEK geworden und 1991 gewann er den EuropaCup mit PAOK.

Meine Vermutung, dass etwas im Basketballbund nicht stimmt und Pesic wohl deshalb abgesagt hat, verdichtet sich.
Die Basketballlegende Zeljko Paspalj wunderte sich, dass die Wahl des Trainers bzw. die Kommunikation an sich im Basketballbund per Fax, Mails und Telefon von statten geht, anstatt bei so einer wichtigen Frage sich zu treffen und vor Ort zu regeln.
Auch der langjährige ehemalige FIBA-Generalsekretär Borislav Stankovic äußerte die Befürchtung, dass der Basketballbund mit dieser Praxis das Land und die FIBA beschämen wird. Man habe weder mit Pesic, noch jetzt mit Sakota gesprochen, noch ihre Programme angeschaut. Es ist nicht einmal klar, ob Sakota, wenn er den Posten als Nationaltrainer übernehmen sollte, auch weiterhin Coach bei Roter Stern bleiben kann.

Ich glaube die nächste große Blamage bei einem großen Turnier für ein Land mit großer Basketballtradition steht bevor.

Mittwoch, Februar 01, 2006

Kosovo sagen, Kaukasus denken

Es verdient Beachtung, wenn der russische Präsident innerhalb sehr kurzer Zeit öffentlich zum Thema Kosovo mehrmals Stellung bezieht. Nachdem er seinen Außenminister angewiesen hatte, welche Position Russland in der Balkankontaktgruppe einzunehmen hat, ging er gestern bei der Jahrespressekonferenz unter anderem auch wieder auf dieses Thema ein.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass der Fragesteller nicht vom Balkan, sondern aus dem Kaukasus, genauer aus Georgien (das mit Abchasien, Südossetien und Adscharien gleich drei abtrünnige Regionen hat, die von Russland unterstützt werden oder wurden) kommt.
Nutsubidse wies auf die Stellungsnahmen Putins zum Kosovo hin und fragte, ob dies bedeute, dass Russland, im Falle einer Anerkennung des Kosovo, genauso im postsowjetischen Raum verfahren und z.B. Abchasien und Südossetien (einseitig) anerkennen würde.

Als erstes wies Putin daraufhin, dass die Grundlage für den endgültigen Kosovostatus auf der Resolution 1244 des UN-Sicherheitsrates (interessant ist die gute Vorbereitung Putins) basieren müsse, in der festgeschrieben worden ist, dass das Kosovo Bestandteil des jugoslawischen (mittlerweile serbisch-montenegrinischen) Staatenbundes sei. Denn Resolutionen des Sicherheitsrates seien da, um befolgt zu werden.

Als zweites wies er daraufhin, dass internationale Prinzipien universellen Charakter haben müssten und führte das Beispiel Mazedonien auf. Dort hätte der Westen erreicht, dass die Albaner, die 20% der Gesamtbevölkerung ausmachen, in allen wichtigen Institutionen in dieser Anzahl vertreten sein müssen. Er fragte, wieso dann diese Prinzipien nicht auch für die Russen, die 60% der Bevölkerung im lettischen Riga (immerhin Teil der EU) ausmachen, gelten.

Zum Schluss wies er daraufhin, dass im Falle einer Selbstständigkeit des Kosovo niemand den Abchasen oder Südosseten verbieten könnte auch Unabhängig zu werden. Es gäbe eben Einzelfälle, in denen Staaten, wie die Türkei, abtrünnige Regionen, wie das türkisch dominierte und besetzte Nordzypern einseitig anerkannten. Dies hieße zwar nicht, dass Russland genauso handeln würde. Aber gerade deswegen bräuchte man auf internationaler Ebene Lösungen universellen Charakters.



Interessantes hört man auch aus London, wo die Balkankontaktgruppe tagte. Der Westen soll schon vor dem Treffen versucht haben Russland zu überreden. Durch die Rede Putins, die vor allem eben in die Richtung Washingtons gerichtet war, war dieses Unterfangen unmöglich geworden. Zudem deutete Putin an, dass durch diesen Dominoeffekt, die Macht Russland im postsowjetischen Gebiet steigen würde.

Der UN-Sondergesandte für die Statusverhandlungen und ehemalige finnische Präsident Martti Ahtisaari forderte vor der Rede auf, Druck auf Russland auszuüben. Schließlich ist die Lösung des Think Tank International Crisis Group, dem auch Ahtisaari gehört eine „bedingte Unabhängigkeit“ des Kosovo.

Der Westen verschätzte sich wohl insgesamt mit der Lage in Russland. Als der Kreml bekannt gab, dass es eine Verlautbarung bezüglich des Kosovo geben werde, rechnete man mit einer routinemäßigen Rede. Desto überraschter scheint man gewesen zu sein, als Putin höchst persönlich auftrat und worüber er sprach.

Die Bush-Administration geht allerdings weiterhin davon aus, dass Russland sich nicht vor Auswirkungen der Statusverhandlungen auf Tschetschenien fürchtet, sondern viel mehr einfach nicht gegen die Serben sein will und erwartet, dass der Kreml letztendlich doch den westlichen Lösungsvorschlag mittragen werde.

Ein Problem ist allerdings jetzt, vor Verhandlungsbeginn, sichtbar.

Ahtisaari behaart darauf die Gespräche innerhalb eines Jahres zu beenden.
Die Verhandlungstaktik der USA scheint allerdings zu sein, die Gespräche langsam zu führen, um die Serben nicht unnötig zu provozieren. Erst solle über die Dezentralisierung des Kosovo gesprochen werden, wo man eher den Serben entgegenkommt, um dann im fortlaufenden Stadium die Unabhängigkeit des Kosovo auszuhandeln, was den Vorstellungen der Kosovoalbaner entspricht.

Nun wird allerdings befürchtet, dass Ahtisaari die Statusfrage früher auf den Verhandlungstisch bringt und die Serben eventuell dazu veranlasst den Verhandlungstisch früh zu verlassen.

Die Gründe sind zum einen, dass die Strategie der Amerikaner die Verhandlungsdauer verlängert. Zum anderen ist es nun nach der Aussage Putins klar, dass die Verhandlungen nicht in Ahtisaaris Büro in Wien, sondern in den Hauptstädte der Großmächte geführt werden.

Konstantin Zalutin, Direktor des Instituts für die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten meint, dass in den USA alles für eine Unabhängigkeit des Kosovo vorbereitet worden ist. Wenn man die Meinungen westlicher Beobachter betrachtet, die einhellig von einer Unabhängigkeit ausgehen, kann man Zalutins Einschätzung teilen.

Russland musste also nach seiner Aussage ein Junktim zwischen dem Kosovo und den Gebiet der ehemaligen Sowjetunion schaffen, um Verhandlungsspielraum zu erhalten. Putins Clou war hingegen weniger die russische Angst zu schüren, dass man Tschetschenien verlieren könnte, sondern aufzuzeigen, dass Russlands Macht im „Nahen Ausland“ steigen könnte.
Somit richtete sich seine Rede nicht ans In- sondern ans Ausland. Schließlich hätten die USA und seine Verbündeten von Baltikum bis zum Kaukasus etwas dagegen, wenn Russlands Einfluss in diesen Regionen enorm steigen könnte.

Zu guter Letzt stellt Zalutin fest, dass Russland enorm im Ansehen der Serben fallen würde, sollten es die Unabhängigkeit des Kosovo unterstützen. Der Kosovo ist für die Serben das „Heilige Land“ (ich werde demnächst einmal etwas über den Kosovomythos schreiben) und der Verlust wäre nur durch mythischen Verrat möglich, wie eben im Kosovomythos beschrieben.


So langsam aber sicher scheinen die Dimensionen der Kosovoverhandlungen sichtbarer zu werden und zeigen, dass es wohl viel spannender und komplizierter wird, als von westlichen Experten dargestellt.

Dienstag, Januar 31, 2006

Putin und die Dominotheorie

Der aufmerksame Peqblogleser müsste vertraut sein, mit der Kosovo-Dominotheorie.
Heute referiert niemand geringeres als Vladimir Vladimirovic Putin, Präsident der Russländischen Föderation, zu diesem Thema.

Putin klärte mit seinem Außenminister Sergej Lavrov den russischen Standpunkt beim bevorstehenden Treffen der Außenminister der Balkankontaktgruppe, welche sich eben auch mit den beginnenden direkten Verhandlungen über den zukünftigen Status des Kosovo befassen wird.

Die Lösung des Kosovokonfliktes sei für Russland nicht nur vom Standpunkt der völkerrechtlichen Prinzipien von enormer Wichtigkeit, sondern vor allem wegen praktischer Interessen im postsowjetischen Raum. Deswegen solle für den Kosovo eine Lösung mit universellem Charakter gefunden werden, da viele Konflikte im postsowjetischen Raum noch ungelöst wären.

Lavrov bestätigte, dass die russische Seite diese Position vertreten werde und fügte hinzu, dass im Vorfeld der Verhandlungen einige Partner aus der Kontaktgruppe versuchten in einem gemeinsamen Dokument die These zu vertreten, dass die Lösung des Kosovokonfliktes einmalig und kein Präzedenzfall werden soll.

Putin antwortete darauf, dass diejenigen eine einmalige Lösung suchen, die allgemeinen Prinzipien des Völkerrechtes umgehen wollen. Die letzten Jahre hätten gezeigt wohin diese Praxis führe.

Beide konstatierten, dass eine Lösung im Interesse Belgrads und der Kosovoalbaner sein müsse und dass die bevorstehenden Verhandlungen schwierig werden, weil die Kosovoalbaner momentan auf eine Unabhängigkeit der Provinz drängen, was sich von Resolutionen des UN-Sicherheitsrates unterscheide.

Putin stellt somit explizit fest, dass eine Unabhängigkeit des Kosovo auch Folgen für andere Teile der Welt hätte, eben auch für das so genannte „Nahe Ausland“ und somit Interessensphäre Russlands. Deshalb beharrt er auf Einhaltung internationaler Prinzipien. Gerade deswegen scheinen die Kosovoverhandlungen spannender zu werden, als von vielen westlichen Beobachtern vermutet, die einhellig von einer Unabhängigkeit der südserbischen Provinz ausgehen.

Zudem bleibt abzuwarten, wer sich, nach dem Tod Ibrahim Rugovas, auf Seiten der Kosovoalbaner als Kosovopräsident und Delegationsführer durchsetzen wird. Denn trotz aller unterschiedlichen Bewertungen zum Albanerführer - in einem Punkt stimmen wohl viele überein. Dass es sich bei Rugova doch um einen gemäßigten (nationalistischen) Führer handelte.
Die Bezeichnung Gandhi des Balkans finde ich trotzdem falsch, da Rugova aus PR-opportunistischen Gründen selbst keine Gewalt anwenden wollte, ihn das aber nicht hinderte den Westen und die Nato aufzufordern, für die Unabhängigkeit der Kosovoalbaner mit Waffengewalt zu kämpfen. Der Mann wollte sich einfach selbst aus PR-Gründen die Hände nicht schmutzig machen. Es gibt noch andere Punkte, die diese Opportunität belegen.
Wichtiger erscheint mir aber, dass er trotz alledem ein gemäßigter Führer war und nun die Frage ist, wer seine Nachfolger wird.

Außer dem Herausgeber der kosovoalbanischen Tageszeitung Koha ditore, Veton Surroi, der in meinen Augen moderater als Rugova selbst ist, haben gemäßigte Kräfte wohl keine Chance das Präsidentenamt zu übernehmen. In einem Monat sollten wir mehr wissen.



Da ich seit langem wieder etwas über meinen geliebten Balkan schreibe, verdient auch das Interview mit Christian Schwarz-Schilling, der heute dass Amt des Hohen Repräsentanten in Bosnien-Herzegowina übernommen hat, Beachtung.

Der 75jährige Schwarz-Schilling, der 1992 als Postminister zurücktrat, weil ihm Helmut Kohls Bosnienpolitik nicht radikal genug war, wird in deutschen, aber nicht nur diesen Medien zurzeit als Balkankenner gelobt. Vergessen sind wohl seine antiserbischen Eskapaden zu Anfang des Bosnienkrieges, vor allem die Märchen von serbisch-mengelschen Versuchen an muslimischen Frauen.

Hier dazu ein Interview mit Johann Becker vom Marburger Institut für Friedensforschung. (in Zeit-Fragen Nr. 46, Artikel 8 vom 21.11.2005)

„- Aber Herr Becker, dessen Amtszeit [Paddy Ashdown] endet doch, heisst das, dass danach was Neues kommen muss?

- Ja, danach kommt was Neues. Wir kommen vom Regen in die Traufe. Der neue Hohe Repräsentant wird vermutlich Christian Schwarz-Schilling heissen. Und Herr Schwarz-Schilling, ich möchte daran erinnern, ist der Mensch, der die Sage von Mengeles serbischen Erben, so wurde damals in der Presse tituliert, erfunden hat. Er hat damals die Mär in die Welt gesetzt, die Serben hätte gefangenen Muslimen Hundeföten eingepflanzt. Er hat bis heute keine Beweise dafür gebracht, das heisst, das war eine Mär…“

Dieser Mann ist nun dazu auserkoren worden, die Bevölkerungsgruppen in Bosnien-Herzegowina zusammenzuführen. Doch nun zu seinem Interview mit der Süddeutschen Zeitung:

Er stellt fest, dass sich Serbien damit abfinden müsse, dass die serbische Republik (Republika Srpska) eine Region Bosniens sei und kein Faustpfand Serbiens für die Verhandlungen über den Kosovo. Zudem argumentieren nur diejenigen, die eine Weiterentwicklung Serbiens blockieren wollen, damit, dass sich die serbische Republik von Bosnien loslösen könnte, falls das Kosovo unabhängig würde. Des Weiteren müsse sich die serbische Republik an den Verfassungsreformen beteiligen.

So, Scharz-Schilling und nicht die serbische Bevölkerung in Bosnien entscheiden, was die serbische Republik in Bosnien will. Zudem scheint sich der „Balkankenner“ nicht so sehr mit der politischen Landschaft Serbiens auszukennen, da er sonst wüsste, dass jede wichtige und größere Partei, egal welcher Couleur wie folgt argumentiert:
Wenn Selbstbestimmungsrecht der Völker, dann für alle!
Interessant ist auch, dass nicht ein vom Volk gewähltes Parlament oder das Volk selber entscheidet, ob eine Verfassung geändert werden soll, sondern der Hohe Repräsentant der Serbenrepublik vorschreibt, dass sie es tun muss!

Erschreckend war allerdings sein Statement zu den in Bosnien befindlichen (und mit bosnisch-muslimischen Frauen verheirateten) Mudschaheddin. Während diese für die westlichen Geheimdiensten seit längerem ein Dorn im Auge sind und man befürchtet, dass Bosnien-Herzegowina zu einem europäischen Rückzugsort und Schleuse für islamistische Terroristen geworden ist oder es wird, stellt der ehemaligen Postminister fest, dass Mudschaheddin sein qua defitionem nicht bedeutet, dass jemand Extremist sei. Denn die Mudschaheddin hätten in der bosnischen Armee ordentlich mitgekämpft und nie Methoden des Terrorismus ausgeübt.

Köpfe abschlagen und sich damit, wie im Irak fotografieren lassen (sprich es gibt im Gegensatz zu anderen Behauptungen eine Dokumentation) ist also in seinen Augen ordentlicher Kampf, weswegen sie wohl auch zu unrecht auf Guantanamo landen.

Diese Sichtweise des Balkankenners von serbischen Mengeles und ordentlich kämpfenden Mudschaheddin ist doch mehr als aufschlussreich und wir können auch gespannt verfolgen, wie er Bosnien-Herzegowina vor allem durch dieses Jahr der Entscheidungen führen wird.

Montag, Januar 30, 2006

AllStarDay 2006

7 Uhr. Thon. Es ist noch dunkel, das Wetter frostig, die Frisur sitzt und die Fahrt beginnt.
Durch die sanfte Stimme Robbie Williams’ begrüßen wir freudig den neuen Tag und Sonnenaufgang auf der A3 Richtung Köln. Die Morgenmüdigkeit schwindet.

9 Uhr. A3 irgendwo weit nach Frankfurt. Es ist hell, im Auto warm, die Frisur sitzt und wir fahren weiter. Als besonderes Schmankerl gibt’s Harald Schmidt’s Stau-CD. Die Autobahn ist fast leer, wir gleiten über die A3, keine überholenden LKWs, kein Stau, kein Bremsen – gar nichts – nur ein dahin gleiten. Da kommt schon die Sehnsucht nach verstopften Autobahnen auf und deswegen Dirty Harry im CD-Player.

10 Uhr, kurz vor Köln. Die Sonne scheint, im Auto ist es weiterhin warm, die Frisur sitz immer noch und wir sehen ihn, Den ersten überholenden Laster – was für eine Fahrt. Etwas verwundert nehmen wir zur Kenntnis, dass wir 1 Stunde früher ankommen, als geplant. Laut Routenplaner hatten wir um 11 Uhr ankommen sollen. Trotzig müssen wir uns den Auswirkungen leerer Autobahnen stellen und akzeptieren, dass die Fahrt viel kürzer war. Widerwillig finden wir uns mit diesem Schicksal ab.


KölnArena finden, Hotel suchen, einchecken, auspacken, aus dem Fenster schauen, das Panorama genießen und rausgehen. An der KölnArena führte uns das Schicksal zu zwei Falkefans. Faaaaalke – Faaaaalke in Köln-Deutz um 11.00 Uhr bei eisiger Kälte und schönstem Sonnenschein. Das hat stil. Was nun, noch 1 ½ Stunden bis zum Treffen mit anderen Fanclubvorständen und Jan Pommer. Wir entscheiden uns, die ersten im Cafe Marie zu sein – gleich beim BBL-Büro und der Arena.

Im Cafe angekommen sahen wir sofort Jörg aus Berlin und zwei neue Gesichter aus Bremerhaven. Zudem viele Fans in diesem Cafe, aber keine Basketballfans.

„Nippeltour 2005/06“ stand auf den T-Shirts.
„Wir stehn zu dir. Für jetzt und alle Zeit. Was auch immer passiert – wir gehören zu dir – bis in die Ewigkeit. Super Nippel allez, super Nippel allez, super Nippel allez.“ Klangen die Lieder und schnell floss das Kölsch.
Das Marie scheint ne Kneipe für die Fans der Kölner Haie zu sein und bei dieser Nippeltruppe ging’s um nichts anderes, als FRAUEN-Eishockey. Es ist kein Mythos! So etwas gibt’s wirklich.


Bis um 12:30 trudeln insgesamt die Vorstände von 11 Fanclubs ins Marie und auch Jan Pommer ein. Es fehlt der Tübinger Vertreter und wieder einmal die Vertreter aus Gießen, Ludwigsburg, Karlsruhe und auch Köln. Wegen der Lautstärke beschlossen wir noch paar Kölsch zu zischen evtl. fertig zu essen und dann doch lieber in den Heiligen Hallen des BBL-Büros zu sprechen.

Dort angekommen ging's gleich an die Arbeit.

Zwei der aktuellsten Themen wurden von Jan selbst angesprochen. Relegationsregelung und der Streit mit der „Spielergewerkschaft“ SP.IN.
Der neuen Relegationsregel stimmten alle 16 BBL-Vereine zu! Zudem soll es mehrere Gespräche mit der 2. Liga gegeben haben. Hintergrund ist die, im Gegensatz zum Fußball, Schwäche und Unattraktivität der 2. Liga. Durch die Relegationsregelung wolle man die 2. Liga dazu zwingen sich zu reformieren und stärker zu werden, um in 3-4 Jahren die Relegationsspiele wieder abzuschaffen. Zudem müsse ein Verein, der ins Oberhaus des Deutschen Basketballs will, auch den Anspruch haben den letzten oder vorletzten der BBL zu schlagen. Die Gespräche würden aber mit der 2. Liga weiter gehen.
Zu SP.IN äußerte sich Jan wie folgt. Er selbst habe laut BBL-Statuten nicht das Recht Tarifverhandlungen zu führen, um ein Beispiel aufzugreifen. Zudem sprächen Tarifverhandlungen gegen die Individualität im Profisport. Insgesamt wird’s Gespräche geben, aber um Jan zu zitieren. „Wenn ein Spieler, wie z.B. Roller ein Anliegen hat, kann er immer zu mir kommen. Dazu braucht er keine Gewerkschaft.“

Da viel Zeit unnütz im Marie draufging, einigten wir uns darauf schnell einige wichtige Punkte zu erarbeiten. Zum Beispiel soll es so etwas, wie ein Forum auf der BBl-Seite geben, in dem sich die einzelnen Vorstände untereinander und mit Jan austauschen können. Die hätte den Vorteil, dass man vorbereiteter zu dem nächsten Treffen reisen könnte.
Ein wichtiges Thema war auch so etwas, wie eine Infobox für Gästefans. Dass die Verein verpflichtet wäre, bestimmte Daten, wie Ansprechpartner, Busparkplätze, verbindliche Preisliste, ein eingezeichneter Gästeblock, Anfahrtsbeschreibung, billige Unterkünfte etc. an z.B. das Basketball Saisonsonderheft zu geben. Somit solle die Organisation der Auswärtsfahrten erleichtert werden.

Zudem wurde das Thema Tickettausch etc vom letzten Mal wieder aufgegriffen.

Zur AllStarWahl gab es auch eine kurze Diskussion. Jan erklärte uns, wie es zu den Starting 5 kam. Das es galt abzuwägen zwischen Popularität auf einer Position und insgesamt der Popularität. Auf jeden fall wird das Wahlprozedere weiter verändert. Da zeigt sich die BBL auf jeden Fall offen für die Anliegen und Ratschläge der Fans.

Insgesamt verstrich die Zeit doch leider zu schnell und wir einigten uns weitere Punkte noch via Mails zu besprechen. Die ersten beiden sind schon angekommen und ich schicke die Tage auch eine weg. Die Ergebnisse gibt’s dann bei einem Fantreffen.


15 Uhr. KölnArena. Die Sonne scheint, die Temperatur ist zu ertragen, die Frisur sitzt. Nun geht’s es also in die Hohe Heilige Halle. Ja hoch passt als Adjektiv zur Arena. Die Halle ist hoch, die Preise auch, aber die Kölsch gab’s endlich nicht mehr in unzähligen Reagenzgläsern, sondern in unzähligen 0,5 oder gar 1 Liter Bechern. Da fühlte man sich wie zu Hause, nur das man es trotzdem net wagte ne Halbe oder ne Maß zu bestellen. Denn wer schon Leberkäs ohne Senf anbietet, der weiß net, was ne Halbe is. *g*

Als erste gab’s das Rookie-Game – und oh mein Gott wurde mir schlecht und zwar nicht wegen der vielen Kölsch, sondern wegen des Spielniveaus und Spielerqualität. Das ist er also, der Hoffnungs bringende deutsche Nachwuchs. Houston, wir haben mehr als nur ein Problem! Um es kurz zu machen – das Spiel VIPs versus HipHoopAllStars war vom Niveau her höher, viel höher. Das sagt leider alles. Kurz danach gab’s dann ein ganz besonderes Spiel.
Die Maskottchen der BBL trafen aufeinander. Da gab’s wenigstens was zu lachen, im Gegensatz zu den deutschen Nachwuchstalenten. Da musste man weinen, um das Spiel nicht mehr ansehen zu müssen. Das Celebrity-Game war etwa amüsant, aber auch nichts Besonderes. Elton wurde zum Schluss die Hose ausgezogen und wir wissen nun, dass bei der WM 2010 Das Bo, Harris, Alex Jolig. Oli P. und Elton für Deutschland antreten werden. Mit denen haben wir vielleicht eine Chance.

Ein Schmankerl war der 3-Point- und der Dunk-Contest. Amateure treten gegen Profis an. Bester Dreipunkteschütze ist Penberthy mit 21 Punkten vor Bulic, der im Halbfinale 21 Punkte hatte. Platz Drei ging an einen Amateur, dessen Namen ich vergessen habe.
Beim Dunk-Contest mussten wir feststellen, dass die Profis gegen die Amateure keine Chance hatten. Trotz Publikum im Rücken, trotz unzähliger Versuche (eigentlich gab’s pro Runde nur 2 Versuche – die Pros hatten mehr) blamierten sich die Profis bis auf die Knochen! Der hoch gelobte B.J. Elder hat wohl 90% seiner Versuche verstopft und schied schon im Halbfinale aus! Was hingegen die Amas zauberten war der pure Wahnsinn. 360-Dunks, Dunks über Menschen, Tische, Menschen und Tische, über alle BBL-Maskottchen irgendwie gelang alles und versetzte die Zuschauer in Staunen. Erster Platz ging mit 150 Punkten verdient an Mico Ilic, der zweite mit 145 Punkten an Fabian Greiser, der sich in Nürnberg fürs ASD qualifiziert hatte und weit abgeschlagen auf Platz 3 mit 95 Punkten landete der Frankfurter Profi Rudy Mbemba, der nur 1,78m misst.

20.15, immer noch in der KölnArena. Es wird dunkel, die Temperatur angenehm, das Kölsch schmeckt immer noch, die Frisur sitzt und das AllStarGame beginnt. Der Anfang ist etwas langweilig, wir warten bis 7:20 Minuten vor Ende des 2. Viertel, als dann Soto aufs Parkett aufläuft. Sein Name stellte auch für den Kölner Hallensprecher einen Zungenbrecher dar. Allerdings war es nicht, wie zu erwarten, der Nach-, sondern sein Vorname! Schotiris und Schotto wurde unser verrückter Grieche genannt. Anfänglich spielte Schotto sehr teamorientiert und die Nervosität hielt lange an. Schließlich war es ein AllStarGame und er dachte sich wohl, dass er da nicht zu oft den Ball verlangen sollte und zudem, und das erkannte er richtig, ging’s darum das Publikum zu unterhalten. Also versuchte er lieber einen Alley-Hoop-Pass zu spielen, als selber zu stopfen. Nichts desto trotz machte er im Ganzen Spiel 15 Punkte, was überdurchschnittlich war. Überdurchschnittlich dauerte auch das Spiel selbst. 3 Mal ging’s in die Verlängerungen! Das habe ich auch zum ersten Mal gesehen. Unter anderem einmal mit nem Buzzer 3er von Hamann. Ich gebe es zu, der Schluss des AllStarGames hat mir gefallen. Das war geil und riss die Leute, die in der KölnArena waren mit.
157-154 siegte der Norden, aber das Ergebnis war hier zweitrangig. Zum Abschluss begrüßten wir Soto, bevor er die Kabine verschwand. Hach, war das schön, wie er sich gefreut hatte, wie bekannte Gesichter aus Nürnberg zu sehen. Und wir konnten dank der 3 Verlängerungen zum Hotel laufen und festhalten, dass sich der ASD irgendwie doch gelohnt hat.

23:00, Köln-Deutz, ein Hotel bei der Arena, es ist sehr dunkel und sehr kalt, die Frisur sitzt und wir sind müde. Kurz das aktuelle Sportstudio angeschaut, schließlich will man wissen, wie der Glubb daheim gespielt hat, und was mussten wir da vernehmen? Mintal, nach langer Verletzung wieder zurück und bricht sicht wieder den Mittelfußknochen. Gleichzeitig dachten wir an unseren Tenter. Irgendwie mag die Sportgöttin Nürnberger Genies nicht. Nichts desto trotz, der Glubb gewinnt und einige im HSV-Forum nennen diese Niederlage peinlich.

Duck fand zu diesem Phänomen die passende Überschrift: „Und wieder grüßt das Murmeltier“.

So das war’s dann auch vom All Star Day am 28. Januar 2006 in der KölnArena!

Freitag, Januar 27, 2006

Aus dem Reich der Mitte

Eine Anekdote aus einer Vorlesung.

Als Händler des britischen Empire im Reich der Mitte waren, ließ sich, soweit ich mich noch entsinnen kann, der chinesische Kaiser von ihnen auf einem Globus zeigen, wo die britischen Inseln liegen, um danach festzustellen, dass sie zu klein und weit weg wären, um sie in sein Reich als Provinz einzugliedern.

Was mir an dieser Anekdote gefällt ist, dass es eben den Chinese Point of View zeigt und nicht immer nur die eurozentristische Sichtweise. Aus der Sicht des Chinesen war Großbritannien eben nicht, wie für uns eine Weltmacht, sondern weit entfernte Inseln, die es nicht einmal verdienten, Teil des Chinesischen Reiches zu werden.

Immer wenn es um Außenpolitik geht, sollte derjenige, der sich an die Thematik wagt, vor Augen halten, dass unser Denken auch heute noch eurozentristisch bestimmt ist, wie auch das des Chinesen z.B. sinozentristisch ist. Um die Außenpolitik der Volksrepublik Chinas zu verstehen, müssen nicht nur die Geschichte, die unveränderlichen geographischen und geopolitischen Gegebenheiten berücksichtigt werden, sondern auch Maos Erbe.

Nach einer Zuwendung zur Sowjetunion und Zuwendung zur USA war Chinas Schlüsselwort in der Außenpolitik das der "Äquidistanz" zu beiden Supermächten. Chinas Prinzipien in der Außenpolitik sind "Selbständigkeit und Unabhängigkeit". China wollte eben weder die amerikanische, noch die sowjetische Karte spielen, aber es auch nicht zu lassen, dass jemand China als Karte spielt. Da hatte das Reich der Mitte eben aus den letzten beiden Jahrhunderten schlechte Erfahrungen, als es von den imperialistischen Großmächten in Interessens- und Einflusssphären geteilt worden ist.

In vielen internationalen Konflikten, sieht sich China aus dem eigenen Selbstverständnis heraus eben nicht als Gegner des Westens, sondern als neutraler Beobachter. Allerdings folgen viele westliche Schreiberlinge der Bush-Doktrin „You’re either with us or against us“. So eben momentan in der Irankrise.

Einige Schreiberlinge werden nicht müde China zu ermahnen, dass es seiner internationalen Verantwortung gerecht werden muss. Sie werden nicht müde darauf hinzuweisen, dass China Geschäfte mit Iran betreibt und auf seine Energiequellen angewiesen ist (als ob wir es nicht wären). Sie werden vor allem nicht müde darauf hinzuweisen, dass China, wie Russland zu Irans Verbündeten zählt.

Das ist eben unsere eurozentristischer Sichtweise, die auch schließlich bestimmt was die internationale Staatengemeinschaft will. Wie beurteilt jedoch China diesen Konflikt?
Es sieht einen Antagonismus USA/EU versus Iran und nicht die ominöse internationale Staatengemeinschaft (ist damit eigentlich die Welt gemeint, oder nur ausgewählte Vertreter. Wenn die Welt, wieso benennt man es dann nicht so?) versus Iran. Und da will die Volksrepublik einfach neutral bleiben und sieht sich eher als möglichen Vermittler, weil es einfach nicht ihr Konflikt ist.
Die Bemerkungen über die Abhängigkeit Chinas von Iran stimmen, aber sie sind wohl nicht entscheidend für die Haltung Chinas. Schließlich bezog das Reich der Mitte eine ähnliche Position während des Jugoslawienkrieges, und keiner würde behaupten, es sei von Serbien abhängig (gewesen).

Es ist also weniger die Wirtschaft, als vielmehr das eigene Selbstverständnis, das Chinas Außenpolitik in diesen Fällen leitet. Dass Außenpolitik auch immer Interessenpolitik ist, gilt auch für China. Das lässt sich nicht abstreiten. Aber gerade deswegen ist nicht jeder Konflikt des Westens ein Konflikt Chinas. Von Peking aus, sieht die Welt nun einmal anders aus.