Lange haben wir alle darauf gewartet, nun ist es endlich soweit, die BSEler trennen sich von Bundes-Detti und holen sich dafür Alba-Muki.
3 Siege, 11 Niederlagen, davon zu letzt 8 in Folge weist die Braunschweiger auf Platz 16.
Die Entlassungsinitiative ist auf den Braunschweiger OB zurückzuführen, der sich Sorgen um die Wirtschaftlichkeit der schönen Volkswagenhalle macht. Dettmann wurde auch ein faires Ultimatum gestellt – Du gewinnst als Tabellenletzter beim Pokalsieger in Köln, oder Du gehst. Somit lag doch Dettis Schicksal in seinen Händen bzw. seiner Spieler.
85-60 lautete das Ergebnis aus Kölner Sicht und Basketballdeutschland wartete auf die Entlassung des ehemaligen Bundestrainers. Denn solch eine Niederlage als Tabellenletzter gegen den Tabellen Fünften, der eine Heimbilanz von 8-1 hat, muss als peinlich bezeichnet werden und Konsequenzen nach sich ziehen!
Dettmann ist nun weg und für ihn kommt der Albaneser Meistercoach Emir Mutapcic. Der Vertrag läuft bis 2008, auch für die Liga 2. Vielleicht ist den Verantwortlichen doch in Sinn gekommen, dass der Verein eine Umstrukturierung braucht.
Dass sich da die Kommune auch finanziell so tatkräftig mit einmischt ist eine andere Sache. Denn in Zeiten knapper Kassen in einen verschuldeten Profiverein und seine Spieler und Coach, statt in Kindergartenplätze Geld zu pumpen ist doch mehr als problematisch. Braunschweig muss für die Wirtschaft attraktiv werden. Potentielle Sponsoren gibt’s im hohen Norden – ich erinnere nur an den Namen der wunderschönen Halle, in der die BSEler Basketball spielen oder es zumindest bisher versucht haben zu tun. Zudem ist es eben, auch aus Nürnberger Sicht doch eine Wettbewerbsverzerrung, wenn ein verschuldeter Verein noch mit Geld zugepumpt wird, damit er nicht absteigt und wir mit dem mit Abstand geringsten Etat in der Liga versuchen vernünftig zu wirtschaften und trotzdem für unseren Anspruch gute sportliche Ergebnisse erzielen.
Trotzdem scheint die Dauer des Vertrages mit Mutapcic mit der Option 2. Liga darauf hinzudeuten, dass man auch in Braunschweig mittlerweile weiß, wie es um den eigenen Verein steht.
Dienstag, Januar 10, 2006
Montag, Januar 09, 2006
Quo vadis Ukraina?
Nach dem Gasstreit mit Gazprom beginnt heute, passend zum ukrainischen Wahlkampf, der Gongadseprozess. Der Journalist Georgij Gongadse wurde im Herbst 2000 entführt und enthauptet. Ähnlich wie im Fall des serbischen Journalisten Slavko Curuvijas, war auch Gongadses Ermordung ein Katalysator im Revolutionsprozess. Die beiden Regimes, Kucmas und Milosevics, wurden daraufhin sowohl national, als auch international angreifbarer, verwundbarer, isolierter und erhielt den Antlitz des Kriminellen.
Ich erinnere nur kurz an Kucmas Zickzackkurs zwischen dem Westen und Russland, weil viel zu oft vergessen wird, dass Kucma lange Zeit als Musterdemokrat, wie heute eben Juscenko oder Timosenko, gepriesen worden ist. Den letzten Schwenk vollbrachte er nach dem Irakkrieg. Während er noch damals Seit’ an Seit’ mit den Amerikanern und Neuen Europäer, v.a. den Polen die Demokratie, Menschenrechte und Freiheit in den Irak bringen wollte, wendete er sich kurz darauf dem großen Bruder Russland zu, der mit Deutschland und Frankreich zu den Irakkriegsgegnern gehörte. (Eigentlich auch eine interessante Geschichte, denn Russland war nicht von Anfang an vehement gegen diesen Krieg. Die Amerikaner hätten nur geschickter sein müssen). Der Grund war, dass es eben keine Belohnung vom Westen dafür gab, dass ukrainische Soldaten mit ihren polnischen Brüdern (auch ein interessanter Exkurs – „Die Ukraine zwischen Polnisch-Litauischer Adelsrepublik und Russischem Zarenreich“ *g*) im Irak für Recht und Ordnung sorgten.
Dies war dann eigentlich auch die Geburtsstunde für den Einheitlichen Wirtschaftsraum, dem Lieblingsprojekt Putins, zwischen Belarus, Ukraine, Russland und Kasachstan. Spätestens hier verlor Kucma alle westliche Unterstützung.
Zurück zum Fall Gongadse. Dieser machte in Internetberichten auf Korruption in der Kiewer Führung aufmerksam und wurde danach tot aufgefunden. Somit lag der Verdacht nahe, dass Kucmas Regime hinter dieser Ermordung steckte. Die damalige Opposition konnte später schließlich auch aufgrund dieses nicht gelösten Mordes politisch profitieren.
Nun beginnt also der Prozess und das zu Wahlkampfzeiten. Die zerstrittenen Führer der Orangenen Revolution holen durch die Gazpromkrise zu ihrem Kontrahenten Janukovic auf. Ein Phänomen, das übrigens häufig nach „demokratischen Revolutionen“ in den letzten zwei Jahrzehnten beobachtet werden konnte. Der Zerfall des Revolutionsbündnisses und Rückkehr der alten Machthaber unter neuen Vorzeichen.
Angeklagt sind drei Offiziere der Geheimpolizei. Polizeigeneral Olexij Pukac, der laut Staatsanwaltschaft auch beteiligt gewesen sein soll ist verschwunden. Die Umstände des Todes von Kucmas Innenminister Jurij Kravcenko im April 2005 sind nicht geklärt. Entweder Mord oder Selbstmord. Auf jeden Fall wurde neben der Leiche ein Brief gefunden, in der Kucma bezichtigt wird, hinter der Ermordung Gongadses zu stecken.
Genau hier wird’s nun spannend. Ukrainische Abgeordnete, die diesen Fall untersuchen sollten, glauben nicht an einen Mordbefehl von Kucma, da er durch die Ermordung weiter an politischen Boden in der Ukraine und weltweit verlor. Zudem äußern einige ukrainische Medien der Verdacht, dass Juscenko selbst nicht an einer Aufklärung interessiert sei, weil er sonst einige Verbündete verlöre, wie z.B. den Parlamentspräsidenten Volodymyr Lytvyn.
Denn eins ist klar, die Aufklärung wurde und wird hinausgezögert, was den Europarat dazu bewog, die ukrainischen Behörden wegen der stockenden Ermittlungen zu kritisieren. Daraufhin wurde auch der Generalstaatsanwalt Svjatoslav Piskun von Juscenko abgesetzt.
Es bleibt abzuwarten, welche Erkenntnisse der Prozess mit sich bringt, in wie weit er europäisch-rechtsstaatlichen Standards entsprechen wird und wie alle Lager versuchen werden daraus zu profitieren. Ein heißer Wahlkampf erwartet die Ukraine und zeigt, wie entfernt sie im politischen und rechtlichen Sinne doch von Europa entfernt liegt.
Ich erinnere nur kurz an Kucmas Zickzackkurs zwischen dem Westen und Russland, weil viel zu oft vergessen wird, dass Kucma lange Zeit als Musterdemokrat, wie heute eben Juscenko oder Timosenko, gepriesen worden ist. Den letzten Schwenk vollbrachte er nach dem Irakkrieg. Während er noch damals Seit’ an Seit’ mit den Amerikanern und Neuen Europäer, v.a. den Polen die Demokratie, Menschenrechte und Freiheit in den Irak bringen wollte, wendete er sich kurz darauf dem großen Bruder Russland zu, der mit Deutschland und Frankreich zu den Irakkriegsgegnern gehörte. (Eigentlich auch eine interessante Geschichte, denn Russland war nicht von Anfang an vehement gegen diesen Krieg. Die Amerikaner hätten nur geschickter sein müssen). Der Grund war, dass es eben keine Belohnung vom Westen dafür gab, dass ukrainische Soldaten mit ihren polnischen Brüdern (auch ein interessanter Exkurs – „Die Ukraine zwischen Polnisch-Litauischer Adelsrepublik und Russischem Zarenreich“ *g*) im Irak für Recht und Ordnung sorgten.
Dies war dann eigentlich auch die Geburtsstunde für den Einheitlichen Wirtschaftsraum, dem Lieblingsprojekt Putins, zwischen Belarus, Ukraine, Russland und Kasachstan. Spätestens hier verlor Kucma alle westliche Unterstützung.
Zurück zum Fall Gongadse. Dieser machte in Internetberichten auf Korruption in der Kiewer Führung aufmerksam und wurde danach tot aufgefunden. Somit lag der Verdacht nahe, dass Kucmas Regime hinter dieser Ermordung steckte. Die damalige Opposition konnte später schließlich auch aufgrund dieses nicht gelösten Mordes politisch profitieren.
Nun beginnt also der Prozess und das zu Wahlkampfzeiten. Die zerstrittenen Führer der Orangenen Revolution holen durch die Gazpromkrise zu ihrem Kontrahenten Janukovic auf. Ein Phänomen, das übrigens häufig nach „demokratischen Revolutionen“ in den letzten zwei Jahrzehnten beobachtet werden konnte. Der Zerfall des Revolutionsbündnisses und Rückkehr der alten Machthaber unter neuen Vorzeichen.
Angeklagt sind drei Offiziere der Geheimpolizei. Polizeigeneral Olexij Pukac, der laut Staatsanwaltschaft auch beteiligt gewesen sein soll ist verschwunden. Die Umstände des Todes von Kucmas Innenminister Jurij Kravcenko im April 2005 sind nicht geklärt. Entweder Mord oder Selbstmord. Auf jeden Fall wurde neben der Leiche ein Brief gefunden, in der Kucma bezichtigt wird, hinter der Ermordung Gongadses zu stecken.
Genau hier wird’s nun spannend. Ukrainische Abgeordnete, die diesen Fall untersuchen sollten, glauben nicht an einen Mordbefehl von Kucma, da er durch die Ermordung weiter an politischen Boden in der Ukraine und weltweit verlor. Zudem äußern einige ukrainische Medien der Verdacht, dass Juscenko selbst nicht an einer Aufklärung interessiert sei, weil er sonst einige Verbündete verlöre, wie z.B. den Parlamentspräsidenten Volodymyr Lytvyn.
Denn eins ist klar, die Aufklärung wurde und wird hinausgezögert, was den Europarat dazu bewog, die ukrainischen Behörden wegen der stockenden Ermittlungen zu kritisieren. Daraufhin wurde auch der Generalstaatsanwalt Svjatoslav Piskun von Juscenko abgesetzt.
Es bleibt abzuwarten, welche Erkenntnisse der Prozess mit sich bringt, in wie weit er europäisch-rechtsstaatlichen Standards entsprechen wird und wie alle Lager versuchen werden daraus zu profitieren. Ein heißer Wahlkampf erwartet die Ukraine und zeigt, wie entfernt sie im politischen und rechtlichen Sinne doch von Europa entfernt liegt.
Quid pro quo
Der amerikanische Lobbyist Jack Abramoff bekannte sich bei dem Korruptionsprozess gegen ihn schuldig und das politische Amerika ist am zittern.
Gegen wen packt der einflussreiche Geschäftsmann aus? Wer erhielt Gefälligkeiten für andere Gefälligkeiten, getreu dem Motto quid pro quo?
Dies war auch der Anlass für mehrere Kommentatoren die Lobbyszene in Deutschland und der EU näher zu beleuchten. Gibt es so etwas, wie eine K-Street auch bei uns, wie laufen die formellen und informellen Kontakte ab, wie einflussreich sind Lobbyisten bei uns.
Jeder der mich kennt, wird schon ahnen, was jetzt folgen wird. Eine Journalistenschelte und klugscheißerische Besserwisserei ;-)
Wie kommt es auf europäischer oder nationalstaatlicher Ebene zum Lobbying? Man könnte darüber ganze Bände schreiben. Heute will ich mich an den spaßig gemeinten Rat einer Freundin halten und „fasse mich kurz“. Also in meinen Augen kurz… *g*
Wir haben zwei Seiten beim Lobbying – auf der einen den Gesetzgeber, auf der anderen jemanden, der Einfluss auf die erste Seite ausüben will. Wieso jemand Einfluss auf die Gesetzgebung haben will, kann jeder für sich beantworten. Spannender ist doch die Frage, wieso sich der Gesetzgeber auf dieses Spielchen einlässt.
Ich versuche einzelne Stichpunkte aufzugreifen.
- Ressourcenknappheit:
Zu wenige Mitarbeiter und Informationen bei gleichzeitig steigenden Aufgaben und komplexer werdenden Themen zwingt z.B. einen Parlamentarier gerade dazu sich externe Informationen und Expertisen zu verschaffen. Darüber hinaus ist es Usus geworden, dass die Europäische Kommission oder Bundestagsfraktionen auf fertige Gesetzesvorlagen von Lobbyisten warten. Es kommt eben vor, dass auf Gesetzesvorlagen folgende Bemerkungen drauf stehen: „Kassenärztliche Bundesvereinigung“, „Vorschlag BASF“, „wörtlich RWE“.
- Akzeptanz schaffen und Durchführbarkeit
Als Paradebeispiel soll der einflussreiche Deutsche Bauernverband DBV dienen. Wir alle wissen noch aus der Schule, dass die Anzahl derjenigen, die sich ihr tagtägliches Brot durch landwirtschaftliche Arbeit verdient bzw. gleich selber macht, deutlich unter der 5% Marke liegt. Wieso ist dann deren Verband so einflussreich?
1. Er droht Parteien damit Wahlempfehlungen auszugeben – und zwar allen die im Ländlichen ihr Häuslein haben – und das ist schon einmal ein geschlossener Block von ca. 15% (falls mein Prof. damals die richtige Zahl sagte *g*).
2. Hilft er der Legislativen und Exekutiven in der Durchsetzungen und Akzeptanz von Gesetzen. Der DBV informiert und berät von unten nach oben und umgekehrt. Er dient als Informationskanal. Dadurch erspart sich der Staat viel Bürokratie und Geld.
Auf der EU-Ebene können wir ähnliches beobachten. Hinzu kommt, dass die EU manchmal in Nationalstaaten nach Verbündeten gegen diesen sucht, um bestimmte Vorhaben durchzusetzen.
Kurz fassen in der Politik ist schwer…. Da fehlt ja mehr als 90% ;-)
Schauen wir uns deswegen auch nur ganz kurz die andere Seite an.
Da finden wir (umstrukturierte) Euroverbände, nationale Verbände und Dachverbände, Eigeninitiativen der Unternehmen, consultant officies (Lobbyagenturen, Rechts-Beraterfirmen) und den European Round Table of Industrialists (ERT).
Der Trend geht immer mehr dazu, dass Unternehmen mehrgleisig fahren und je nach Ressourcen auch selber oder durch Lobbyagenturen vor Ort präsent sind.
Es existieren formelle und informelle Kontakte zu den einzelnen Institutionen, d.h. es gibt geregelte Zugänge von Interessenvertreter zur Legislativen, aber eben auch „parlamentarische Abende“ oder sonstige Treffen, zwischen ausgewählten Lobbyisten, Unternehmern und Parlamentariern. Dort werden dann Kontakte zwischen Politik und Wirtschaft geknüpft. Alles Weitere läuft nach dem Motto quid pro quo, wie fast alles im Bereich Lobbyismus.
Zum Schluss wollte ich einige einflussreiche Interessenvertreter auf Bundes- und Europaebene aufzählen – Die Zigarettenindustrie, die Pharmabranche, die Energiewirtschaft, die Landwirtschaft, die Stahlindustrie (v.a. der Euroverband Eurofer), Chemieindustrie und Biotechnologie.
Ich werde mit Sicherheit zu diesem Thema noch einiges posten, um vielleicht zu erklären, wieso gerade die von mir benannten Branchen so einflussreich sind und um einmal den ERT – den European Round Table vorzustellen.
Allerdings wollte ich mich ja heute kurz fassen. ;-)
Gegen wen packt der einflussreiche Geschäftsmann aus? Wer erhielt Gefälligkeiten für andere Gefälligkeiten, getreu dem Motto quid pro quo?
Dies war auch der Anlass für mehrere Kommentatoren die Lobbyszene in Deutschland und der EU näher zu beleuchten. Gibt es so etwas, wie eine K-Street auch bei uns, wie laufen die formellen und informellen Kontakte ab, wie einflussreich sind Lobbyisten bei uns.
Jeder der mich kennt, wird schon ahnen, was jetzt folgen wird. Eine Journalistenschelte und klugscheißerische Besserwisserei ;-)
Wie kommt es auf europäischer oder nationalstaatlicher Ebene zum Lobbying? Man könnte darüber ganze Bände schreiben. Heute will ich mich an den spaßig gemeinten Rat einer Freundin halten und „fasse mich kurz“. Also in meinen Augen kurz… *g*
Wir haben zwei Seiten beim Lobbying – auf der einen den Gesetzgeber, auf der anderen jemanden, der Einfluss auf die erste Seite ausüben will. Wieso jemand Einfluss auf die Gesetzgebung haben will, kann jeder für sich beantworten. Spannender ist doch die Frage, wieso sich der Gesetzgeber auf dieses Spielchen einlässt.
Ich versuche einzelne Stichpunkte aufzugreifen.
- Ressourcenknappheit:
Zu wenige Mitarbeiter und Informationen bei gleichzeitig steigenden Aufgaben und komplexer werdenden Themen zwingt z.B. einen Parlamentarier gerade dazu sich externe Informationen und Expertisen zu verschaffen. Darüber hinaus ist es Usus geworden, dass die Europäische Kommission oder Bundestagsfraktionen auf fertige Gesetzesvorlagen von Lobbyisten warten. Es kommt eben vor, dass auf Gesetzesvorlagen folgende Bemerkungen drauf stehen: „Kassenärztliche Bundesvereinigung“, „Vorschlag BASF“, „wörtlich RWE“.
- Akzeptanz schaffen und Durchführbarkeit
Als Paradebeispiel soll der einflussreiche Deutsche Bauernverband DBV dienen. Wir alle wissen noch aus der Schule, dass die Anzahl derjenigen, die sich ihr tagtägliches Brot durch landwirtschaftliche Arbeit verdient bzw. gleich selber macht, deutlich unter der 5% Marke liegt. Wieso ist dann deren Verband so einflussreich?
1. Er droht Parteien damit Wahlempfehlungen auszugeben – und zwar allen die im Ländlichen ihr Häuslein haben – und das ist schon einmal ein geschlossener Block von ca. 15% (falls mein Prof. damals die richtige Zahl sagte *g*).
2. Hilft er der Legislativen und Exekutiven in der Durchsetzungen und Akzeptanz von Gesetzen. Der DBV informiert und berät von unten nach oben und umgekehrt. Er dient als Informationskanal. Dadurch erspart sich der Staat viel Bürokratie und Geld.
Auf der EU-Ebene können wir ähnliches beobachten. Hinzu kommt, dass die EU manchmal in Nationalstaaten nach Verbündeten gegen diesen sucht, um bestimmte Vorhaben durchzusetzen.
Kurz fassen in der Politik ist schwer…. Da fehlt ja mehr als 90% ;-)
Schauen wir uns deswegen auch nur ganz kurz die andere Seite an.
Da finden wir (umstrukturierte) Euroverbände, nationale Verbände und Dachverbände, Eigeninitiativen der Unternehmen, consultant officies (Lobbyagenturen, Rechts-Beraterfirmen) und den European Round Table of Industrialists (ERT).
Der Trend geht immer mehr dazu, dass Unternehmen mehrgleisig fahren und je nach Ressourcen auch selber oder durch Lobbyagenturen vor Ort präsent sind.
Es existieren formelle und informelle Kontakte zu den einzelnen Institutionen, d.h. es gibt geregelte Zugänge von Interessenvertreter zur Legislativen, aber eben auch „parlamentarische Abende“ oder sonstige Treffen, zwischen ausgewählten Lobbyisten, Unternehmern und Parlamentariern. Dort werden dann Kontakte zwischen Politik und Wirtschaft geknüpft. Alles Weitere läuft nach dem Motto quid pro quo, wie fast alles im Bereich Lobbyismus.
Zum Schluss wollte ich einige einflussreiche Interessenvertreter auf Bundes- und Europaebene aufzählen – Die Zigarettenindustrie, die Pharmabranche, die Energiewirtschaft, die Landwirtschaft, die Stahlindustrie (v.a. der Euroverband Eurofer), Chemieindustrie und Biotechnologie.
Ich werde mit Sicherheit zu diesem Thema noch einiges posten, um vielleicht zu erklären, wieso gerade die von mir benannten Branchen so einflussreich sind und um einmal den ERT – den European Round Table vorzustellen.
Allerdings wollte ich mich ja heute kurz fassen. ;-)
Mittwoch, Januar 04, 2006
Wenn die Unfallmedizin krankt
Stell Dir vor, Du hast einen Unfall, bist schwer verletzt, der Rettungswagen ist auch gleich vor Ort, aber kein Krankenhaus will Dich aufnehmen. Eine Odyssee beginnt.
Dies ist allerdings keine Erzählung von Kafka oder ein Erlebnisbericht eines Drittweltstaates. Das geschieht in Deutschland. Denn das Fach der Unfallchirurgie krankt.
Hier ein Beispiel aus der Süddeutschen Zeitung:
Ein 28 jähriger LKW-Fahrer fährt um 15.30 gegen einen Baum in Norddeutschland. 15 Minuten später war der Notarzt da. Allerdings wollte keines der 5 Krankenhäuser der Umgebungen den jungen Mann aufnehmen, obwohl oder gerade, weil sein Gehirn verletzt war und zahlreiche Knochen gebrochen waren. Gegen 18 Uhr brachte der Notarzt den Mann in ein nahe gelegenes Krankenhaus, das für solche Fälle gar nicht gewappnet war. Das überforderte Krankenhaus versuchte ihn in ein für Notfallpatienten spezialisiertes Krankenhaus zu verlegen – in den nächsten 2 ½ Stunden kamen 12 Absagen! Erst um 20:30 Uhr erklärte sich eine Klinik im 135 km entfernten Hannover bereit ihn zu übernehmen. Dort gelang er um 21:05 mit dem Helikopter. 5 ½ Stunden nach dem Unfall. Dort verbrachte er dann 17 Tage auf der Intensivstation.
Wie kann so ein Fall, der laut SZ exemplarisch für die Notfallmedizin stehen kann, passieren?
Es liegt an der Notfallvergütung der Kliniken. Nach den neuen Fallpauschalen bekommt eine Klinik 30.000 Euro für einen schwerstverletzten Patienten. Durchschnittlich benötigt ein Unfallopfer allerdings 38.000 Euro. Je größer die Verletzung, desto größer wird das Verlustgeschäft für das Krankenhaus.
Leidtragender in dieser Angelegenheit ist der (Unfall-)Patient - und das kann jeder sein!
Dies ist allerdings keine Erzählung von Kafka oder ein Erlebnisbericht eines Drittweltstaates. Das geschieht in Deutschland. Denn das Fach der Unfallchirurgie krankt.
Hier ein Beispiel aus der Süddeutschen Zeitung:
Ein 28 jähriger LKW-Fahrer fährt um 15.30 gegen einen Baum in Norddeutschland. 15 Minuten später war der Notarzt da. Allerdings wollte keines der 5 Krankenhäuser der Umgebungen den jungen Mann aufnehmen, obwohl oder gerade, weil sein Gehirn verletzt war und zahlreiche Knochen gebrochen waren. Gegen 18 Uhr brachte der Notarzt den Mann in ein nahe gelegenes Krankenhaus, das für solche Fälle gar nicht gewappnet war. Das überforderte Krankenhaus versuchte ihn in ein für Notfallpatienten spezialisiertes Krankenhaus zu verlegen – in den nächsten 2 ½ Stunden kamen 12 Absagen! Erst um 20:30 Uhr erklärte sich eine Klinik im 135 km entfernten Hannover bereit ihn zu übernehmen. Dort gelang er um 21:05 mit dem Helikopter. 5 ½ Stunden nach dem Unfall. Dort verbrachte er dann 17 Tage auf der Intensivstation.
Wie kann so ein Fall, der laut SZ exemplarisch für die Notfallmedizin stehen kann, passieren?
Es liegt an der Notfallvergütung der Kliniken. Nach den neuen Fallpauschalen bekommt eine Klinik 30.000 Euro für einen schwerstverletzten Patienten. Durchschnittlich benötigt ein Unfallopfer allerdings 38.000 Euro. Je größer die Verletzung, desto größer wird das Verlustgeschäft für das Krankenhaus.
Leidtragender in dieser Angelegenheit ist der (Unfall-)Patient - und das kann jeder sein!
Dienstag, Januar 03, 2006
Gas als Raketenersatz?
Stereotype filtern Informationen in einer Welt der Informationen und erleichtern durch Vereinfachung somit unser Leben. Seit jeher ist der große Riese Russland, der größte Flächenstaat auf Erden und die zahlenmäßig größte europäische Nation eine Unbekannte in unserem Denken.
Slawische Heiden, orthodoxe Schismatiker, mongolische Untertanen, zaristische Imperialisten, bolschewistische Untermenschen, kommunistische Weltrevoluzzer und Njet-sager…
Ex oriente malus.
Und seitdem Putin das Präsidentenamt des Riesenreiches von Elcin’ geerbt hat, wurde Russland wieder immer mehr zur Unbekannten. Neuester Stein des Anstoßes ist der Streit zwischen dem russischen Staatsunternehmen Gazprom und der Ukraine über die neuen Gaspreise für das Land.
Was konnte der deutsche Zeitungsleser und Nachrichtenschauer so alles erfahren?
Russland erhöhte zum neuen Jahr die Preise für Gas, das an die Ukraine geliefert werden soll von 50 auf 230 Dollar pro 1000 Kubikmeter. Man erfährt auch, dass die erste Summe ein Vorzugspreis ist und die zweite dem Weltmarktpreis entspricht. Zudem habe die Ukraine nix gegen den Weltmarktpreis, wenn dieser aber erst in Etappen erreicht würde.
Zugleich weiß man auch, wieso Russland so reagiert – es geht um pure Machtpolitik und Rache für die orangene Revolution. Des Weiteren finden in Kleinrussland im März Parlamentswahlen statt. Also zählt man 1+1 zusammen und weiß, dass Russland hier Druck ausüben und die Ukraine zum slawischen Schmusekurs zwingen will.
Seitdem Druckabfälle in den Gaspipelines der Europäischen Union festgestellt worden sind, warnen selbsternannte Russlandexperten davor, dass man viel zu viel Gas aus dem Riesenreich importiere und somit in eine Abhängigkeit gelange. Schließlich benutzen die Russen Gas als Raketenersatz. Das weiß doch jeder.
Aber folgen wir dem Philosophen Slavoj Zizek und fragen einfach naiv und dumm.
Putin stellte sich bei der ukrainischen Präsidentenwahl hinter Viktor Janukovic und gegen den späteren Wahlsieger Viktor Juscenko und die spätere Premierministerin Julija Timosenko. Wieso erhob Putin den Gaspreis nicht sofort danach? Wieso erst jetzt? Wegen den Parlamentswahlen? Nehmen wir nun an, dass Putin um sich nicht gerade einen dummen Beraterkreis hat. Seit der Krise steigen die Umfragewerte für das zerstrittene orangene Lager an. Davor lag Janukovic, wegen des Unmutes im Lande gegen die Orangenen vorne!
Doch nun gibt es die typische Solidaritätsbewegung und es kommt den orangenen „Demokraten“ nur zu Recht, da sie sich eben nicht als Musterdemokraten entpuppten.
Macht also Putin wieder den gleichen Fehler? Wie gedachte er denn mit erhöhten Gaspreisen noch mehr Stimmen für Janukovic zu sammeln? War ihm nicht klar, dass seine Gegner in der Ukraine „Erpressung“ rufen werden? Dass sie „Rache“ schreien werden? Natürlich bleibt die Frage, wieso eine verspätete Rache und was für eine Erpressung? Die Preise wurden so erhöht ohne ein Junktim. Etwas, was westliche Staaten ja all zu gerne machen. Hilfe nur unter bestimmten Bedingungen. Hier allerdings wurde von der Ukraine nichts erwartet. Es war kein – liebt uns oder schluckt den Preis. Es war nur ein – schluckt den Preis!
Wer sich wirklich mir Russland befasst war dies auch klar. Russland befindet sich im Wirtschaftsboom – und zwar größtenteils aufgrund des Energiesektors! Da ist es klar, dass Gazprom auf mehr Profit aus ist. Schließlich ist die Sowjetunion passé.
Was viele durch diesen Gastreit Gazprom-Ukraine nicht mitbekommen haben, ist, dass der Energiekonzern seine Preise für alle Staaten der ehemaligen Sowjetunion erhöht hat.
Hier eine kleine Liste. Die Dollarpreise für die Jahre 2005 und 2006
Armenien 60 -> 110
Aserbaidschan 60 -> 110
Estland 80 -> 125
Georgien 63 -> 110
Lettland 80 -> 125
Litauen 80 -> 127
Moldawien 80 -> 160
Ukraine 50 -> 230
Belarus 48 -> 48
EU-Staaten im Schnitt 240 Dollar
Was kann man dieser Tabelle entnehmen? Die Preise sind überall gestiegen.
Wir können entnehmen, dass die baltischen Staaten, die nicht in der GUS sind, die seit jeher ihre Streitigkeiten mit Russland haben, weit unter dem Weltmarktpreis waren und es immer noch sind. Moldawien und Georgien, die sich von Russland abgewendet haben auch unter dem Weltmarktpreis sind. Zudem sehen wir, dass zwei Staaten letztes Jahr richtige Vorzugspreise zahlen konnten – die Ukraine mit 50 Dollar und Belarus mit 48. Der Grund hierfür liegt auch im Putins Lieblingsprojekt - dem „Einheitlichen Wirtschaftsraum“ aus Belarus, Ukraine, Russland und Kasachstan. Aus diesem Projekt möchte Juscenkos Ukraine wieder raus und wendet sich Richtung NATO und EU zu.
Wieso stieg also der Gaspreis für die Ukraine so an, dass das slawische Bruderland mehr zahlen muss, als die baltischen EU-Mitglieder. Und was kann man aus diesem Konflikt für Rückschlüsse ziehen.
Die Gaspreise für die Ukraine wurden drastischer erhöht, als für die anderen ehemaligen GUS-Staaten, allerdings von einem Spottpreis auf Weltmarktniveau. Daran kann man nichts aussetzen. Dass die Motivation politisch war, ist klar. Aber man sollte nicht zu viel interpretieren. Es ging wohl eher darum ein Exempel zu statuieren, als die Ukraine zu bestrafen. Die Ukraine, wie die gesamten GUS-Staaten gehört laut außenpolitischer Doktrin Russlands zum „Nahen Ausland“. Hier sollte aufgezeigt werden, dass es eben auch seine Vorteile hat, an einer Vertiefung der GUS und anderer parallel entstandener Institutionen, wie dem Einheitlichen Wirtschaftsraum oder der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft mitzuwirken. Und Russland lockt mit seinen Energiequellen, genauso wie der Westen mit seinen Vorzügen lockt. Beides ist legitim. Dass dieses Vorgehen für das orangene Lager ein gefundenes Wahlkampffressen ist, sollte auch klar sein. Zudem kann die Ukraine weiterhin mit der antirussischen Karte bei EU und NATO Punkte sammeln – wie z.B. „Leute, schaut her. Die Russen benutzen Gas als Waffe. Die Russen sind keine vertrauenswürdige Geschäftspartner.“
Den Russen gefällt es, die Ukraine als Diebe und Bittsteller darstellen zu können. „Lieber Westen, die ach so demokratischen und marktwirtschaftlichen Reformer klauen euer Erdgas. Zudem akzeptieren sie keine Weltmarktpreise.“
Auf die Kassandrarufe einiger selbsternannter Russlandexperten sollte man allerdings nicht hören. Die Sowjetunion erwies sich in den frostigsten Zeiten des Kalten Krieges immer als zuverlässiger Partner! Das Gas kam an. Auch einige Forderungen nach neuen Gasquellen zeugen von wenig Wissen über die Materie. Im Gegensatz zu Öl oder Kohle, bedarf Gas einer sehr komplexen Infrastruktur. Gerade das Beispiel Ukraine zeigt, dass die Ostseepipeline nur im Interesse Westeuropas sein kann. Denn dadurch wird unser Bedarf gedeckt, auch wenn pseudodemokratische Staaten einmal ihre Gasrechnung nicht zahlen wollen.
Eine Maxime zieht sich durch die gesamte russische Außenpolitik seit Ende der Sowjetunion. Gute Beziehungen zu den USA und Westeuropa. Zugleich der Wunsch als gleichberechtigter Partner des Westens gesehen zu werden. Russland ist für den Westen ein zuverlässiger Partner. Das wissen leider viel zu wenige Journalisten, die sich einbilden über Russland schreiben zu müssen. Stereotype machen das Leben einfacher - auch wenn sie meistens nicht stimmen und für den Beruf unangebracht sind.
Slawische Heiden, orthodoxe Schismatiker, mongolische Untertanen, zaristische Imperialisten, bolschewistische Untermenschen, kommunistische Weltrevoluzzer und Njet-sager…
Ex oriente malus.
Und seitdem Putin das Präsidentenamt des Riesenreiches von Elcin’ geerbt hat, wurde Russland wieder immer mehr zur Unbekannten. Neuester Stein des Anstoßes ist der Streit zwischen dem russischen Staatsunternehmen Gazprom und der Ukraine über die neuen Gaspreise für das Land.
Was konnte der deutsche Zeitungsleser und Nachrichtenschauer so alles erfahren?
Russland erhöhte zum neuen Jahr die Preise für Gas, das an die Ukraine geliefert werden soll von 50 auf 230 Dollar pro 1000 Kubikmeter. Man erfährt auch, dass die erste Summe ein Vorzugspreis ist und die zweite dem Weltmarktpreis entspricht. Zudem habe die Ukraine nix gegen den Weltmarktpreis, wenn dieser aber erst in Etappen erreicht würde.
Zugleich weiß man auch, wieso Russland so reagiert – es geht um pure Machtpolitik und Rache für die orangene Revolution. Des Weiteren finden in Kleinrussland im März Parlamentswahlen statt. Also zählt man 1+1 zusammen und weiß, dass Russland hier Druck ausüben und die Ukraine zum slawischen Schmusekurs zwingen will.
Seitdem Druckabfälle in den Gaspipelines der Europäischen Union festgestellt worden sind, warnen selbsternannte Russlandexperten davor, dass man viel zu viel Gas aus dem Riesenreich importiere und somit in eine Abhängigkeit gelange. Schließlich benutzen die Russen Gas als Raketenersatz. Das weiß doch jeder.
Aber folgen wir dem Philosophen Slavoj Zizek und fragen einfach naiv und dumm.
Putin stellte sich bei der ukrainischen Präsidentenwahl hinter Viktor Janukovic und gegen den späteren Wahlsieger Viktor Juscenko und die spätere Premierministerin Julija Timosenko. Wieso erhob Putin den Gaspreis nicht sofort danach? Wieso erst jetzt? Wegen den Parlamentswahlen? Nehmen wir nun an, dass Putin um sich nicht gerade einen dummen Beraterkreis hat. Seit der Krise steigen die Umfragewerte für das zerstrittene orangene Lager an. Davor lag Janukovic, wegen des Unmutes im Lande gegen die Orangenen vorne!
Doch nun gibt es die typische Solidaritätsbewegung und es kommt den orangenen „Demokraten“ nur zu Recht, da sie sich eben nicht als Musterdemokraten entpuppten.
Macht also Putin wieder den gleichen Fehler? Wie gedachte er denn mit erhöhten Gaspreisen noch mehr Stimmen für Janukovic zu sammeln? War ihm nicht klar, dass seine Gegner in der Ukraine „Erpressung“ rufen werden? Dass sie „Rache“ schreien werden? Natürlich bleibt die Frage, wieso eine verspätete Rache und was für eine Erpressung? Die Preise wurden so erhöht ohne ein Junktim. Etwas, was westliche Staaten ja all zu gerne machen. Hilfe nur unter bestimmten Bedingungen. Hier allerdings wurde von der Ukraine nichts erwartet. Es war kein – liebt uns oder schluckt den Preis. Es war nur ein – schluckt den Preis!
Wer sich wirklich mir Russland befasst war dies auch klar. Russland befindet sich im Wirtschaftsboom – und zwar größtenteils aufgrund des Energiesektors! Da ist es klar, dass Gazprom auf mehr Profit aus ist. Schließlich ist die Sowjetunion passé.
Was viele durch diesen Gastreit Gazprom-Ukraine nicht mitbekommen haben, ist, dass der Energiekonzern seine Preise für alle Staaten der ehemaligen Sowjetunion erhöht hat.
Hier eine kleine Liste. Die Dollarpreise für die Jahre 2005 und 2006
Armenien 60 -> 110
Aserbaidschan 60 -> 110
Estland 80 -> 125
Georgien 63 -> 110
Lettland 80 -> 125
Litauen 80 -> 127
Moldawien 80 -> 160
Ukraine 50 -> 230
Belarus 48 -> 48
EU-Staaten im Schnitt 240 Dollar
Was kann man dieser Tabelle entnehmen? Die Preise sind überall gestiegen.
Wir können entnehmen, dass die baltischen Staaten, die nicht in der GUS sind, die seit jeher ihre Streitigkeiten mit Russland haben, weit unter dem Weltmarktpreis waren und es immer noch sind. Moldawien und Georgien, die sich von Russland abgewendet haben auch unter dem Weltmarktpreis sind. Zudem sehen wir, dass zwei Staaten letztes Jahr richtige Vorzugspreise zahlen konnten – die Ukraine mit 50 Dollar und Belarus mit 48. Der Grund hierfür liegt auch im Putins Lieblingsprojekt - dem „Einheitlichen Wirtschaftsraum“ aus Belarus, Ukraine, Russland und Kasachstan. Aus diesem Projekt möchte Juscenkos Ukraine wieder raus und wendet sich Richtung NATO und EU zu.
Wieso stieg also der Gaspreis für die Ukraine so an, dass das slawische Bruderland mehr zahlen muss, als die baltischen EU-Mitglieder. Und was kann man aus diesem Konflikt für Rückschlüsse ziehen.
Die Gaspreise für die Ukraine wurden drastischer erhöht, als für die anderen ehemaligen GUS-Staaten, allerdings von einem Spottpreis auf Weltmarktniveau. Daran kann man nichts aussetzen. Dass die Motivation politisch war, ist klar. Aber man sollte nicht zu viel interpretieren. Es ging wohl eher darum ein Exempel zu statuieren, als die Ukraine zu bestrafen. Die Ukraine, wie die gesamten GUS-Staaten gehört laut außenpolitischer Doktrin Russlands zum „Nahen Ausland“. Hier sollte aufgezeigt werden, dass es eben auch seine Vorteile hat, an einer Vertiefung der GUS und anderer parallel entstandener Institutionen, wie dem Einheitlichen Wirtschaftsraum oder der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft mitzuwirken. Und Russland lockt mit seinen Energiequellen, genauso wie der Westen mit seinen Vorzügen lockt. Beides ist legitim. Dass dieses Vorgehen für das orangene Lager ein gefundenes Wahlkampffressen ist, sollte auch klar sein. Zudem kann die Ukraine weiterhin mit der antirussischen Karte bei EU und NATO Punkte sammeln – wie z.B. „Leute, schaut her. Die Russen benutzen Gas als Waffe. Die Russen sind keine vertrauenswürdige Geschäftspartner.“
Den Russen gefällt es, die Ukraine als Diebe und Bittsteller darstellen zu können. „Lieber Westen, die ach so demokratischen und marktwirtschaftlichen Reformer klauen euer Erdgas. Zudem akzeptieren sie keine Weltmarktpreise.“
Auf die Kassandrarufe einiger selbsternannter Russlandexperten sollte man allerdings nicht hören. Die Sowjetunion erwies sich in den frostigsten Zeiten des Kalten Krieges immer als zuverlässiger Partner! Das Gas kam an. Auch einige Forderungen nach neuen Gasquellen zeugen von wenig Wissen über die Materie. Im Gegensatz zu Öl oder Kohle, bedarf Gas einer sehr komplexen Infrastruktur. Gerade das Beispiel Ukraine zeigt, dass die Ostseepipeline nur im Interesse Westeuropas sein kann. Denn dadurch wird unser Bedarf gedeckt, auch wenn pseudodemokratische Staaten einmal ihre Gasrechnung nicht zahlen wollen.
Eine Maxime zieht sich durch die gesamte russische Außenpolitik seit Ende der Sowjetunion. Gute Beziehungen zu den USA und Westeuropa. Zugleich der Wunsch als gleichberechtigter Partner des Westens gesehen zu werden. Russland ist für den Westen ein zuverlässiger Partner. Das wissen leider viel zu wenige Journalisten, die sich einbilden über Russland schreiben zu müssen. Stereotype machen das Leben einfacher - auch wenn sie meistens nicht stimmen und für den Beruf unangebracht sind.
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